Ein Kommunikationsmodell

Vor langer Zeit bin ich auf das Kommunikationsmodell von Sender, Medium und Empfänger aufmerksam geworden. Ich denke, es beschreibt sehr gut die Situation, der wir bei einer Präsentation oder einem Vortrag ausgesetzt sind. Ich möchte Ihnen daher kurz beschreiben, was da dahinter steckt und warum wir dieses gedankliche Modell immer im Hinterkopf haben sollten.
Die Elemente des Kommunikationsmodells
Ziel dieses Artikels soll keine lange Theorie sein. Ich denke jedoch, dass es wichtig für jeden ist, der vor Publikum spricht, und ein gutes Verständnis dafür schafft, warum manche Vorträge gut ankommen und manche nicht.
Sender
In der Antennentechnik ist das grundlegendste Element der sogenannte "isotrope Strahler", also eine Antenne, die in alle Richtungen gleich stark sendet. Da das meistens nicht gewünscht ist, wird durch diverse Optimierungen dafür gesorgt, dass die Antenne nur in die Richtung strahlt, in der sich der Empfänger befindet. (An dieser Stelle merken Sie vielleicht schon, dass ich einen Hintergrund als Elektroingenieur habe. Falls Sie auch einen technischen Hintergrund haben und sich nun mit Präsentationen und Vorträgen beschäftigen, könnte der Beitrag Technische Präsentationen für Sie hilfreich sein.)
Ein Redner kann auch als isotroper Strahler betrachtet werden. Er sendet ebenso die verschiedensten Informationen auf mehreren Wegen in alle Richtungen aus. Dazu zählen z.B. akustische Informationen, wie der Inhalt des Vortrags, die Wortwahl, Dialekt, optische Informationen wie Aussehen, Kleidung, Körperbau, Gestik sowie vielleicht auch Geruch, Standpunkt, Sympathie.
Damit nun die Botschaft auch wirklich beim Empfänger ankommt, sollte der Redner alle Energie darauf verwenden, seine Botschaft zielgerichtet zu senden und sich über alle anderen (vielleicht ungewollt ausgesendeten) Informationen bewusst zu sein.
Überlegen Sie sich also, was Sie alles tun, das evtl. nicht Ihrem Ziel dient. Dazu gehört z.B. der übertriebene Einsatz von Fremdwörtern, mangelnder Blickkontakt oder eine Sprechweise, die nicht Ihrem Publikum angepasst ist.
Medium
Das Medium hat die Aufgabe, die Informationen, die Sie aussenden wollen, zu transportieren. Je nachdem, welche Botschaft Sie vermitteln wollen, können ganz unterschiedliche Medien geeignet sein. Heutzutage gilt die Präsentation mit Leinwand und Laptop als der Standard, aber ist das auch der optimale Weg? Da Sie in vielen Situationen gezwungen sein könnten auf z.B. PowerPoint zurückzugreifen finden Sie hier ein paar Tipps dazu (PowerPoint Präsentationstipps)
Wenn Sie aber halbwegs rhetorisch begabt sind oder es werden wollen (und deswegen sind Sie ja hier), lenken Sie Ihre Zuhörer lieber nicht mit bunten Folien von Ihren Worten ab, sondern vertrauen Sie auf die Macht der Sprache.
Geht es Ihnen darum, bei einer Schulung viele Details zu vermitteln, so kann eine individuelle Betreuung der Teilnehmer und ein praktisches Erleben des Lernstoffs vielleicht besser geeignet sein, als ein Frontalunterrricht. Wollen Sie Anschauungsmaterial verwenden, dass die Zuhörer auch selbst nutzen dürfen oder wollen Sie lieber einen Film zeigen? Alles ist möglich, solange das gewählte Medium zur geplanten Information passt.
Empfänger
Das Problem beim Empfänger ist, dass Sie nie ganz genau wissen, wie er tickt und auf was es ihm ankommt. Versuchen Sie also möglichst früh sich ein Bild der Zuhörerschaft zu machen und versetzen Sie sich in die Rolle Ihrer Zuhörer:
- Warum sind sie hier?
- Mit welchen Vorkenntnisse können Sie rechnen?
- Welche Fachbegriffe sind bekannt? Gibt es Ablenkungen (z.B. Hunger, Müdigkeit)?
- Mit welcher Art von Menschentypen haben Sie es zu tun (analytisch denkend, kommunikativ, passiv beobachtend usw.)
Erstellen Sie sich ein möglichst präzises Bild Ihrer Zuhörer und richten Sie sich danach aus. Wählen Sie das richtige Medium, verwenden Sie die passenden Formulierungen. Auch hier gilt die alte Weisheit: "Der Wurm muss dem Fisch mecken und nicht dem Angler."
Fazit zum Kommunikationsmodell
An jeder Schnittstelle, also zwischen Sender und Medium und auch zwischen Medium und Empfänger werden gewisse Verluste auftreten. Ihr Ziel sollte es also sein, diese Verluste zu minimieren, damit Ihre Botschaft möglichst direkt und unverfälscht bei Ihren Zuhörern ankommt.
Vielleicht halten Sie die Beschreibung von diesem Kommunikationsmodell für relativ offensichtlich. Doch ich denke, dieses Modell bildet die Grundlage für jede Kommunikation. Sei es ein direktes Gespräch oder ein Vortrag vor großem Publikum. Jede Situation können wir auf dieses Kommunikationsmodell zurückführen. Und viele Probleme in diesem Bereich könnten vermieden werden, wenn man sich an diese Grundlagen erinnert.
(zuletzt aktualisiert am 23.02.2026)
